Zum Lernen in die Ferne schweifen

19. Oktober 2022
top.tirol Redaktion
Franz Oss

Ein Auslandspraktikum während der Lehre ist gleich doppelt spannend: Am Zielort warten auf die Lehrlinge eine neue Arbeitswelt und Möglichkeiten zur Weiterentwicklung.

Auslandssemester während der Schulzeit oder im Studium sind eine bekannte und beliebte Lösung, neue Erfahrungen abseits der heimischen Pfade zu machen. Was weniger bekannt ist: Auch in der Lehrzeit gibt es Möglichkeiten, zumindest für einige Wochen internationale Luft zu schnuppern. Das Familienunternehmen binderholz aus Fügen mit 29 Standorten weltweit ist spezialisiert auf die Erzeugung von Massivholzprodukten und schickt ausgewählte Lehrlinge seit über zehn Jahren auf Reisen. „2011 haben wir damit begonnen. Einerseits für den Ausbildungsverbund, andererseits für die persönliche Entwicklung“, schildert Alois Gruber, Leiter von Lehrlingsausbildung und Personalentwicklung der binderholz-Gruppe.

Arbeiten im Norden

Anfangs griff binderholz auf die Plattform xchange als Brückenbauer zu jenen  Betrieben zurück, an die man Lehrlinge entsenden wollte. Mittlerweile läuft der Austausch über die direkten Kontakte des Unternehmens, besonders Deutschland und Finnland werden als Zielländer angepeilt. Alexander Reiner, Elektrotechniklehrling im vierten Lehrjahr, verbrachte Anfang Juni einige Wochen im Binderholzwerk in der finnischen Region Nordkarelien. „Das Auslandspraktikum hat mich gleich angesprochen, weil man viel erleben kann – nicht nur von der Firma aus, sondern auch, wie es in einem anderen Land aussieht“, erklärt er.

Individuell zugeschnitten

Solche Auslandsaufenthalte werden in gewissenhafter Vorbereitung sehr individuell geplant und auf die fachlichen, persönlichen und interkulturellen Lernziele des einzelnen Lehrlings zugeschnitten. Auch die Dauer des Aufenthalts richtet sich nach den vereinbarten Zielen, drei bis sechs Wochen sind die Norm. Wichtige Voraussetzung für den Auslandseinsatz eines Lehrlings ist die Volljährigkeit, um Unterkunft und Beaufsichtigungspflichten vor Ort einfacher zu gestalten. Die Verständigung erfolgt in erster Linie auf Englisch – Alexander konnte seine Kenntnisse aus der Mittel- und Berufsschule gut einsetzen. Wer bei der jeweiligen Fremdsprache zusätzliche Unterstützung benötigt, bekommt sie auch: „Wenn jemand vor Antritt des Auslandspraktikums fremdsprachlichen Aufholbedarf hat, wird im Vorfeld ein entsprechendes Individualtraining organisiert“, erklärt Gruber. Die Auslandspraktika werden in erster Linie vom Unternehmen selbst finanziert, teilweise bestehen auch Förderungsmöglichkeiten der Wirtschaftskammer. Sie leistet für Auslandspraktika einen finanziellen Beitrag und unterstützt bei der Unterkunftssuche.

Über den Tellerrand

„Weltweite Vernetzung und Internationalisierung sollen nicht nur im privaten Bereich Einzug halten, sondern auch im beruflichen“, erläutert Gruber die Hintergründe des Praktikumangebots. Ein Auslandspraktikum unterstützt dabei mehrfache Zielsetzungen: Wertschätzung und Motivationsspritze für gute Lehrlinge, Kennenlernen internationaler Standorte und Arbeitskulturen sowie Persönlichkeitsentwicklung und Erweitern des eigenen Horizonts. Die Weltoffenheit seiner Lehrlinge zu forcieren und sie in ihrem persönlichen Fortkommen und ihrer Sozialkompetenz zu stärken, ist binderholz als global agierender Unternehmensgruppe ein Anliegen. Die Lehrlinge kehren aus dem Praktikum auch mit zusätzlichem Wissen zurück, das bei binderholz gut genutzt werden kann, etwa noch produktivere Arbeitsweisen oder Erfahrungen mit Holz aus anderen klimatischen Regionen. „Ich habe zurück in Fügen den Unterschied bei mir selbst gemerkt, ich war noch motivierter beim Arbeiten, noch zuverlässiger“, erklärt Alexander.

Über Binderholz

  • 29 Standorte weltweit
  • Standorte in Österreich, Deutschland, Großbritannien, Finnland, Lettland und USA
  • 10 Lehrberufe
  • Rund 100 Lehrlinge im deutschsprachigen Raum
  • Seit 2002 Ausgezeichneter Tiroler Lehrbetrieb
  • 2019 Bester Lehrbetrieb Salzburgs – Kategorie Großbetriebe
  • Seit 2020 Staatlich ausgezeichneter Ausbildungsbetrieb
Zum Lernen in die Ferne schweifen
Alois Gruber ist bei binderholz in Fügen erster Ansprechpartner für Auslandspraktika – so auch für Elektrotechniklehrling Alexander Reiner.

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