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Daniel, Julia und die Pflanzen

07. Februar 2023
Nico Knappe
Franz Oss

Teilqualifizierung ist ein Weg, um Menschen mit Beeinträchtigung eine Ausbildung zu geben und sie in den Arbeitsprozess einzugliedern. Wir haben zwei Jugendliche im Botanischen Garten besucht.

Unkraut jäten mag ich nicht so, aber Erde schöpfen oder Töpfe waschen mach ich gerne“, sagt Daniel schmunzelnd. Zwischen Palmen, Agaven und Kakteen sitzen Julia und er und erzählen über ihre Lehre im Botanischen Garten in Innsbruck. Julia ist noch mitten in ihrer Teilqualifizierung als Gärtnerin, Daniel hat diese schon abgeschlossen.

Arbeitsassistenz

Vor knapp zehn Jahren wurde er über die Arbeitsassistenz Tirol auf den Botanischen Garten aufmerksam. Daniel hat schon immer gerne gegärtnert und ist gerne draußen, daher startete er dort seine Teilqualifizierung als Gärtner. Lesen und Schreiben fällt ihm schwer, daher geht er nicht in die Berufsschule, sondern lernt den Stoff mit Unterstützung des Gartenteams und einem Coach der Arbeitsassistenz vor Ort. „Das hat gut funktioniert“, erklärt Maria Holoubek, die technische Leiterin des Gartens.

Mit Begeisterung

Sie lernte Daniel 2016 kennen, als er gerade dabei war, seine Teilqualifizierung abzuschließen, und beschreibt ihn als Menschen mit Charme und Begeisterung, der sich gerne den groben und körperlichen Aufgaben im Garten widmet. Julia dagegen übernimmt am liebsten kleinteiligere Arbeiten, wie die Pflege einzelner Pflanzen oder das Herausnehmen von abgestorbenen Blättern. Beim Schlendern durch den Garten erzählt sie mit Begeisterung über die verschiedenen Eigenschaften der Pflanzen, zum Beispiel über die verschiedenen Dornen der Kakteen: „Manche haben Wiederhaken – das tut dann richtig weh.“ Einmal meterhohe Kakteen in den Wüsten der USA zu sehen, wäre ein Traum für Julia. Vorerst bleibt sie aber im Botanischen Garten, denn hier schließt sie im Herbst ihre Ausbildung als Gärtnerin ab.

Lehrreich

Ursprünglich hatte sie eine verlängerte Lehre begonnen, war aber vom Schulstoff überfordert. Maria Holoubek erzählt, wie gestresst Julia in der Schule war: „Obwohl sie generell ein so bemühter und fleißiger Mensch ist, hat das einfach nicht gut gepasst.“ Deswegen wechselte sie von der verlängerten Lehre zur Teilqualifizierung. „Der Wechsel war problemlos möglich“, erzählt Julia und ergänzt: „Jetzt habe ich

manche Fächer nicht mehr und werde in Mathe nicht mehr benotet.“ Im Rückblick ist Julia froh über ihre Entscheidung und hat eine Botschaft an alle, die sich in einer ähnlichen Situation befinden: „Die Teilqualifizierung ist genauso gut wie die verlängerte Lehre. Niemand soll sich dafür schämen, eine Teilqualifizierung zu machen.“

Wertschätzend

Maria Holoubek erzählt, dass sich durch die Zusammenarbeit mit Menschen mit Beeinträchtigung auch ihr Weltbild geändert hat: „Ich habe gelernt, weniger zu werten, was gute oder schlechte Arbeiten sind.“ Sie berichtet von den ersten Begegnungen mit Johann, einem anderen Mitarbeiter mit Behinderung, der gerade die große Müllsammelrunde im Park erledigte. „Ich wollte die Arbeit aufteilen, damit nicht er allein diese mühsame Aufgabe erledigen muss. Aber für Johann ist die Müllrunde eine Arbeit, für die er sich verantwortlich fühlt und die er gar nicht weniger machen wollte.“

Bereichernd

Für Maria Holoubek hat die Inklusions­praxis im Botanischen Garten viele positive Aspekte. „Es ist eine Bereicherung fürs ganze Team. Wir haben gelernt, noch besser miteinander umzugehen. Und es ist eine Chance zu erkennen, wo wir individuell Defizite haben – denn jeder Mensch hat unterschiedliche Einschränkungen und Talente.“ Julia und Daniel führen zum Abschluss des Gesprächs noch einmal durch die Glashäuser des Gartens und erzählen über ihre Perspektiven für die Zukunft: „Auf jeden Fall weiter gärtnerisch mit Pflanzen arbeiten“, sagt Julia, und Daniel fügt hinzu: „Ich auch. Und gerne auch hier im Botanischen Garten. Ich bleib für immer hier.“

„Niemand soll sich dafür schämen, eine Teilqualifizierung zu machen.“ Julia

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